Echo

Aus der Gruft an die Luft – ein Hörspiel mit Geschichte, Humor und ganz viel Liebe

Anastasia Maria Lindt in der Rheinischen Post vom 28.07.2026 ( hier im Original )

WASSENBERG Eine ganz besondere Vorstellung: Einerseits kann die Sommerakademie ein erstes kleines Jubiläum feiern. Seit 2014 findet sie statt – mit einer coronabedingten Ausnahme. Nachdem die Idee erst bei Irmgard Stieding, die selbst auch mitspricht, entstanden war, stieg Radio- und Hörspielautor Ulrich Land direkt ein und seitdem leitend mit dabei. Andererseits ist die Präsentation „im Grunde ja ein Experiment“, schmunzelte Irmgard Stieding, als sie das Publikum an das Hörspiel heranführte.

Die acht Teilnehmer des Workshops saßen im Halbkreis vorne im Raum, warfen letzte Blicke auf ihre Skripte, während sich das Naturpark-Tor mit Zuschauern füllte. Vor ihnen waren zwei Mikrofone aufgebaut, auch Lautsprecher und ein Techniktisch durften nicht fehlen. Zu ihrer Rechten ein E-Piano, bedient von Eckart Krause, dem Wassen-Jazz-Pianisten. Der Wassenberger Audio-Spezialist Martin Dalz spielte zwischen den live gesprochenen Passagen Tonaufnahmen ein: ein Hörspielerlebnis von allen Seiten. „Das haben wir noch nie gemacht“, warnte Ulrich Land, der die Sommerakademie schon seit Jahren leitet. „Wenn's schiefgeht, müssen Sie uns nachsehen!“. Nach einigen kleinen Startschwierigkeiten verlief die Vorstellung dann allerdings problemlos - und wurde mit begeistertem Applaus belohnt.

Fünf Tage lang haben die acht Teilnehmer der Sommerakademie dieses Endprodukt erarbeitet. Nachdem Leiter Ulrich Land die Idee, „Jutta aus der Zeit herauszuholen”, an den Tisch mitgebracht hatte, war die restliche Geschichte vollständig in der Gruppe entstanden. Am Montag wurde gemeinsam die Story entwickelt, sodass in den Folgetagen in Kleingruppen die einzelnen Szenen geschrieben werden konnten. In diesem Prozess gewannen auch die vielen unterschiedlichen Charaktere an Leben. Diese schrittweise Entwicklung der Figuren habe dafür gesorgt, dass den Teilnehmern gegen Mitte der Woche bereits klar wurde, wer welche Rolle final verkörpern würde, so Land. Am Donnerstag stand dann das Vertonen der Geräusche, die für ein echtes Hörspiel unerlässlich sind, an. Der letzte Tag des Workshops wurde mit zwei großen Durchgangsproben verbracht: die letzte Vorbereitung der acht Autoren auf den großen Auftritt am Sonntag. Da diese ja eine Mischung aus Live-Vorlesung und eingespielter Geräuschkulisse darstellte, haben der Workshopleiter und Martin Dalz nur noch die Figuren und Geräusche zusammenschneiden müssen - und die Wühlmäuse, das Geklapper. Scheppern und Knarzen zum richtigen Zeitpunkt am Sonntagvormittag einspielen müssen.

Um einerseits für die engagierten Hörspielautoren und -sprecher, aber auch für alle Interessierten ein Endprodukt bieten zukönnen, wurde am Freitag eine der Generalproben mitgeschnitten. Im Anschluss an die Vorstellung wurden diese Aufnahme und die einzelnen Geräusche-Bausteine in der Nachproduktion zu einem kohärenten Hörspiel zusammengesetzt. Dieses Ergebnis der zehnten Sommerakademie kann man sich dann auf der Seite der Bücherkiste wieder anhören.

Diese erstmals ausprobierte Art der Vorstellung des erarbeiteten Hörspiels sei zwar selbstverständlich neuer Boden, habe aber einen ganz besonderen Vorteil: Die Zuschauer konnten zu den Personen eine ganz andere Beziehung herstellen, erklärte Land. Und wirklich fesselten die eindrucksvollen Gesichtsausdrücke, die lebendigen Stimmen und die ständige Rotation an den Mikrofonen vorne das Publikum bis zum letzten Ton.

Für das kommende Jahr sei bereits etwas Ähnliches geplant, teaserte Stieding — es sei zwar ein „komplexes Vorhaben“ gewesen, aber mit unglaublich viel Spaß verbunden gewesen. Voller Zuversicht sieht die Gruppe auch einer Fortführung der Geschichte mit Jutta von Wassenberg, die aus dem Mittelalter plötzlich im Jetzt aufgetaucht ist, entgegen. Humor, Geschichte und sogar etwas Politik haben diese Geschichte in den Herzen aller Anwesenden wachsen lassen -und die Liebe für die selbstgeschriebenen Figuren und Wendungen war genauso erkennbar wie die Zufriedenheit über den ausgezeichneten Auftritt.

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