Werkstatt
04 - Der Schatz
Sie war schon fast zu Hause, da kam es ihr allmählich, ganz behäbig, ganz langsam in den Sinn: Jetzt wo er tot war, was wollte, was sollte sie jetzt anfangen mit seinem Schatz. Mit der Goldgrube, die sich unterm Gemüse in ihrer Küche verbarg. Mit diesem Hort seiner Lebenserträge. Was blieb ihr zu tun? Warten. Warten, ob nicht vielleicht doch irgendwelche Angehörigen Ansprüche erheben. Obwohl, zur Beerdigung würden sie nicht gehen, nein, ein ganz entschiedenes Nein. Also wer von seinen versprengten Angehörigen konnte wissen, würde je erfahren, dass es sie, Else, gab in seinen letzten Tagen?
Sollten sie doch suchen, sollten sie doch kommen! Bitte sehr, natürlich würde sie die Leute, wenn es sie denn gab, wenn sie sie denn finden würden, in die Küche führen, ließe sie die Kiste mit der glänzenden Herrlichkeit öffnen. Mit dem drachenbewachten Schatz. Nein, eben nicht, da war kein Drache. Also bitte sehr.
Gut gut. Aber, was, wenn sie nicht kämen? Wenn niemand käme? Wenn sie mit dem Goldgebirge allein bliebe, mutterseelenallein?
von Ulrich Land (Kommentare: 0)
Kommentare
Einen Kommentar schreiben