Werkstatt

01 - Ich lebe vom Tod

»Dem Tod ein Schnippchen schlagen?«, fragte er, und das Entsetzen war ihm ins Gesicht geschrieben. »Mein Geschäft ist bekanntlich das schiere Gegenteil. Ich lebe vom Tod.«
»Schon. Aber Ihr könnt sicher auch ganz anders«, insistierte sie. Natürlich der Versuch, ihm ein bisschen Honig um den Bauch zu kleckern, der aber offenbar Wirkung zeigte. Sie war reichlich überrascht, dass das alles vergleichsweise reibungslos verlief.

»Und Sie zahlen das Gleiche wie beim normalen Prozedere?« Der Gabbai, der Bestattungen ebenso stolz und gründlich organisierte, wie er den Synagogendienst versah, ließ die Finger der linken Hand in die Handfläche der rechten schnacken, als müsse er sich ihrer Anzahl vergewissern. »Nicht ganz billig, die Chose. Das wissen Sie?«

»Am Geld soll es nicht scheitern, wie gesagt. Die "Chose", wie Sie es nennen, ist mir so einiges wert.«

»So einiges?« Wobei, das las der Gabbai ihr ohne Mühe an den Augen ab, wobei sie natürlich nicht die leiseste Ahnung hatte, wo "So einiges" denn herkommen sollte.

von Ulrich Land (Kommentare: 0)

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