Echo

Gelackmeiert bleiben die Frauen

 

Rene Zipperlen schreibt am 21.02.2025 in der Badischen Zeitung ( https://www.badische-zeitung.de/gelackmeiert-bleiben-die-frauen--print )

"Er macht es ihnen nicht leicht: Durch ständigen Regen und Matsch lässt der Freiburger Autor Ulrich Land seine acht Verschwörerinnen in und um Weimar stapfen. Ihr Ziel: „Die erfolgreichste Schimäre ihrer Zeit“ ins Werk zu setzen, um es der Männerwelt heimzuzahlen. „Das jeweilige Mannsbild aus der Welt zu schaffen“, ist kaum möglich, und weil „Hirngespinste eines Weiberschädels“ nie gedruckt würden – so Verleger Weygand –, wollen sie nun „eins in die Welt setzen“. Also engagieren sie Schreiber und den Schauspieler und Weiberhel- den Wilhelm, um den neuen Stern am Literaturhimmel zu mimen: „Goethe“.

Land erzählt nach Romanen um Kleist, Hölderlin und Heine eine launige Mogelei aus Sicht von acht Frauen aus dem echten Goethe-Umfeld: Vulpius, von Stein, Brion und so weiter. Gespickt mit Goethe-Verweisen und literaturgeschichtlichen Späßen – Lotte Sophie begleitet ein sehr heutiger Mephisto, „Faust“-Famulus Wagner spioniert als spießiger Eiferer für Verleger Weygand. Und obwohl dessen Kollege Cotta Autorenschaft für überschätzt hält – eine postmoderne Volte im Geniezeitalter –, braucht es Kniffe und Drohungen, damit die Goethe-Simulation nicht auffliegt.

Land ist ein wirkungsvoller Rezitator, das hört man dem Buch in eindringlichen Passagen über Todeskämpfe und selbst weniger dringlichen Plaudereien an. Doch seine Fabulierlust lässt ihn vor wenig zurückschrecken: Da erwürgt eben von Stein ihren Priester-Geliebten, weil der Blowjobs ihrer Zofe genießt. Formulierungen wie „Beleidigte Leberwurst quer im Breitmaul“ kann man unlektoriert oder originell finden. Wo seine Verschwörerinnen, der „gackernde Hühnerhaufen“, kreischen und sich so bücken, dass er ihnen ins „aus dem Ruder gelaufene Dekolletee“ blickt, wird’s endgültig männerzotig. Leider bewegt ihn das literarische Spiel weniger: Was soll dieser feministische Coup, dieser „Goethe“ eigentlich, was sehen seine Schöpferinnen in ihrem „Sündenbock“? Bis es Wilhelm mit dem Goethesein etwas sehr ernst nimmt und eine Schlusspointe zeigt: Es gibt immer ein noch größeres Komplott. Und gelackmeiert bleiben die Frauen."

© 2025 Badische Zeitung

von Ulrich Land (Kommentare: 0)

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben